Jobsharing im Gesundheitswesen? „Unbedingt!“
- amelie336
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Zwei Perspektiven, eine Leitung: Wie Dr. Jana Hoyer & Elisabeth Kluge ihr Jobsharing im Adipositaszentrum leben
Wenn man Dr. Jana Hoyer und Elisabeth Kluge zusammen erlebt, spürt man sofort: Die beiden sind ein eingespieltes Team. Ruhig, klar, herzlich und mit spürbarer Freude an ihrer gemeinsamen Aufgabe. Die beiden Psychologinnen leiten gemeinsam das Adipositaszentrum am Standort Neustadt/Trachau. Erst im Tandem gestartet, dann durch eine Elternzeit unterbrochen und heute mit noch mehr Überzeugung wieder vereint.
In unserem Gespräch erzählen sie, warum Jobsharing ihren Alltag entlastet, wie sie Verantwortung gemeinsam übernehmen und weshalb sie überzeugt, sind: Das Gesundheitswesen braucht mehr Modelle wie ihres.

„Wir führen gemeinsam - fachlich, menschlich, strukturiert.“
Jana Hoyer und Elisabeth Kluge bilden zusammen die leitende psychologische Doppelspitze des Adipositaszentrums. Zu ihren Aufgaben gehören interne wie externe Meetings, Kassenverhandlungen, die Koordination administrativer Abläufe, Teamführung und natürlich die therapeutische Arbeit, die sie beide weiterhin ausüben.
„Wir arbeiten als leitende Psychologinnen im Jobsharing. Die therapeutischen Zeiten sind klar im Kalender verankert, genauso wie unsere Leitungszeiten, das schafft Transparenz für uns und für das Team“, erklären die beiden.
Was heute so selbstverständlich wirkt, hat einen längeren Weg hinter sich.
Wie alles begann und warum die gemeinsame Leitung blieb
Jana Hoyer hat das Zentrum acht Jahre lang allein geleitet. Vor zwei Jahren suchte sie aufgrund ihrer psychotherapeutischen Ausbildung eine stellvertretende Leitung. Elisabeth Kluge bewarb sich und schnell zeigte sich: Die Zusammenarbeit funktioniert nicht nur, sie bringt spürbare Erleichterung.
„In diesem Jahr haben wir gemerkt, wie viel einfacher und lösungsorientierter viele Abläufe im Tandem wurden. Für mich stand fest: Das möchten wir beibehalten“, erzählt Jana.
Nach einer Pause durch Elternzeit starteten beide nun wieder gemeinsam und das Gefühl war sofort wieder da.
Elisabeth erinnert sich: „Schon in der ersten Woche hat es sich angefühlt wie immer. Wir hatten privat Kontakt gehalten, das hat vieles erleichtert. Und jetzt, mit unserer ähnlichen Arbeitszeitverteilung, funktioniert das Jobsharing sogar noch besser.“
Entlastung auf zwei Schultern - für Team, Organisation und sich selbst
Wenn die beiden über die Vorteile des Jobsharings sprechen, wird schnell klar: Es geht um mehr als einen geteilten Kalender.
„Eine der größten Entlastungen ist die emotionale“, sagt Elisabeth. „Herausforderungen werden nicht mehr nur von einer getragen.“
Auch das Team habe schnell gemerkt, dass Entscheidungen zügiger getroffen und Prozesse schneller bearbeitet werden, weil zwei Personen Verantwortung tragen und auch ansprechbar sind.
Eine interne Umfrage hat es bestätigt: Das Modell wird im Team sehr positiv wahrgenommen.
„Und ganz ehrlich“, fügt Jana hinzu, „Erfolge zusammen zu feiern macht einfach mehr Spaß.“
Doppeltes Denken und manchmal sogar doppeltes Outfit
Anekdoten gibt es einige, aber eine beschreibt ihre Zusammenarbeit besonders gut:
„Auf unserer Übergabeliste stehen manchmal identische Stichpunkte unsere Gedankengänge haben sich mit der Zeit einfach angenähert“, erzählt Elisabeth.
Und dann ist da noch dieser Running Gag:
„Wir tragen bei Meetings zufällig oft ähnliche Kleidung. Wir sprechen uns nicht ab, es passiert einfach.“
Ein sichtbares Zeichen dafür, wie eng ihre Zusammenarbeit inzwischen ist.
Wer sagt was? Wer dokumentiert? Bewusste Rollenverteilung im Meeting
Trotz aller Harmonie achten beide darauf, in gemeinsamen Meetings nicht „zu zweit zu laut“ zu wirken. „Wir besprechen vorher, wer welchen Punkt einbringt und wer ergänzt oder dokumentiert“, sagt Jana. So wollen sie eine ausgewogene Präsenz sicherstellen und nicht überrepräsentiert wirken.
Gerade in der leitenden Funktion ist das wichtig. Denn Entscheidungen und Weiterentwicklungen des Zentrums betreffen viele verschiedene Disziplinen. Und genau hier zeigt sich ein großer Vorteil des Tandems:
„Die gemeinsamen Überlegungen zu Möglichkeiten und Grenzen sind für uns sehr wertvoll“, so beide.
Was durch zwei Perspektiven besser gelingt
Besonders profitieren die beiden bei Themen, die Kommunikation und Struktur verlangen:
interne & externe Abstimmung
Planung von Mitarbeiter:innengesprächen
Klausuren, Audits, Fachtage
administrative Pflichten
Viele dieser Aufgaben lassen sich aufteilen und trotzdem gemeinsam verantworten.
„Das spart enorme Ressourcen“, erklären sie.
Jobsharing im Gesundheitswesen? „Unbedingt!“
Auf die Frage, wie sie das Modell im größeren Kontext einordnen, kommen die beiden ohne Zögern auf die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu sprechen.
„Gerade angesichts des Fachkräftemangels ist es wichtig, neue Modelle zu etablieren. Wir hatten selbst Bedenken, ob Jobsharing in diesem Bereich funktioniert, und jetzt möchten wir ausdrücklich ermutigen, es auszuprobieren.“
Denn oft stecke in bestehenden Strukturen Potenzial, das man erst im Tandem wirklich ausschöpfen könne.
Digitale Stolpersteine und warum Mut sich trotzdem lohnt
Natürlich ist nicht alles perfekt. Technisch stoßen die beiden im Alltag immer wieder an Grenzen, zum Beispiel:
gemeinsame E-Mail-Adressen, die nicht überall hinterlegt werden können
Dokumentenlenkung
Freigabeprozesse, die nicht auf zwei Personen ausgelegt sind
„Da sind wir auf die Unterstützung der IT angewiesen. Und nicht alles lässt sich sofort lösen“, sagt Elisabeth. Trotzdem: Die positiven Erfahrungen überwiegen deutlich.
Ihr Tipp an andere Tandems und Führungskräfte
Beide müssen nicht lange überlegen: „Besonders zu Beginn sollte man sich Zeit nehmen, einander kennenzulernen und die Arbeitsweisen zu verstehen. Sich auf die Stärken der anderen einzulassen, ist zentral.“
Ein festes Format hat sich für sie bewährt: Einmal im Monat reflektieren sie gemeinsam ganz bewusst: Was läuft gut? Was braucht Anpassung? Und ein Punkt liegt ihnen ganz besonders am Herzen: „Viele Bedenken lösen sich im Tun. Die meisten Sorgen treten am Ende gar nicht ein. Ein bisschen Vertrauen in das Modell schadet also nicht.“
Fazit: Ein Tandem, das zeigt, wie Führung im Gesundheitswesen neu gedacht werden kann
Jana Hoyer und Elisabeth Kluge beweisen eindrucksvoll, wie Jobsharing auch in komplexen, verantwortungsvollen Bereichen funktioniert und sogar entlastet, stärkt und neue Perspektiven eröffnet.
Man hat beim Zuhören das Gefühl: Diese beiden arbeiten nicht nur zusammen. Sie vertrauen einander. Sie denken gemeinsam. Und sie zeigen, dass gute Führung nicht unbedingt eine Frage von Einzelverantwortung sein muss, sondern viel eher von gemeinsamer Haltung.
Ein echtes Vorbild für viele Bereiche im Gesundheitswesen.




Kommentare